J edes Jahr strömen Millionen von Menschen aus aller Welt nach Österreich. Was die heimische Wirtschaft freut, ist für manch Einheimische in Tourismusregionen ein Ärgernis. Doch wie schafft man den Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Tourismus? Wir fragten daher das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus.

Wie hat sich der Tourismus in Österreich in den letzten Jahren verändert?

Österreich zählt weltweit zu den erfolgreichsten Tourismusdestinationen. Das liegt u.a. an den intakten Naturlandschaften, der kulturellen Vielfalt und die international geschätzte Gastfreundschaft. Doch der Tourismus unterliegt einem permanenten Wandel. Immer mehr Menschen verreisen und die Gäste werden – zurecht – immer anspruchsvoller. Auch die Motive und Erwartungen unserer Gäste an den Urlaub ändern sich – Reiseentscheidungen werden zu Lebensstilentscheidungen. Österreich hat diesen Wandel bisher hervorragend gemeistert und seinen erfolgreichen Weg fortsetzen können.

Wie viele Österreicher machen im eigenen Land Urlaub?

Im Jahr 2018 verzeichneten wir über 14 Millionen Nächtigungen von Österreicherinnen und Österreichern im eigenen Land, das entspricht einem Plus von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt konnten fast 45 Millionen Gäste gezählt werden.

Gibt es Regionen auf die sich das BMNT momentan fokussiert?

Das BMNT arbeitet gemeinsam mit allen Stakeholdern an der erfolgreichen Tourismusdestination Österreich. Es geht aber nicht darum, einzelne Regionen besonders herauszuheben oder zu fördern, sondern attraktive und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für alle zu schaffen. Wichtig ist dabei vor allem die Zusammenarbeit mit den Bundesländern, in deren Kompetenz der Tourismus liegt.

Gibt es konkrete Ziele für das nächste Jahr?

Im März 2019 wurde der „Plan T – Masterplan für Tourismus“ präsentiert. Er setzt die Leitplanken für die nachhaltige Weiterentwicklung des Tourismusstandortes Österreich und soll Richtschnur bei politischen Entscheidungen auf allen Ebenen sein. Ergänzt wird dieser Masterplan durch einen jährlichen Aktionsplan, der konkrete Umsetzungsschritte beinhaltet und es ermöglicht, rasch auf Veränderungen in diesem dynamischen Umfeld zu reagieren. Die Umsetzung dieses Masterplans wird die Arbeit des nächsten Jahres bestimmen.

Gibt es Grenzen, bezogen auf die Menge an jährlichen Touristen in Österreich und wann wird diese erreicht?

Der Plan T als nationale Tourismusstrategie setzt bewusst keine quantitativen Ziele und auch keine Obergrenzen. Es geht vielmehr um einen vernünftigen und sozial verträglichen Interessenausgleich von einheimischer Bevölkerung und Gästen aus aller Welt. Österreich braucht daher keine starren Limits, sondern eine vorausschauende Besucherlenkung und Entzerrung der Reiseströme.

Wie funktioniert die Kombination aus Nachhaltigkeit und Tourismus? Gibt es hier konkrete Pläne für die Zukunft?

Nachhaltigkeit bestimmt die zukünftige Tourismuspolitik in allen Dimensionen. Im Masterplan wird daher ein Paradigmenwechsel festgeschrieben: So soll nicht mehr der Gast allein im Mittelpunkt unserer Tourismuspolitik stehen, genauso wichtig sind die Bedürfnisse der Unternehmerinnen und Unternehmer und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch der heimischen Bevölkerung und besonders der Umwelt. Der nachhaltige Umgang mit den Ressourcen muss auch für den Tourismus eine Selbstverständlichkeit sein.

Autor: Bernhard Kröll, BMNT
Bilder: Adobe Stock

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