D oping ist mehr als nur ein unsportliches Verhalten. Daher wurde 2008 mit der Gründung der NADA Austria eine Kontrollinstanz geschaffen. Doch wie sieht die Arbeit der NADA aus und wie wichtig ist das Thema Prävention bei jungen Sportlerinnen und Sportlern?

Seit den zarten Anfängen der Anti-Doping Arbeit in den frühen 1960ern stehen Kontrolle und Repression im Mittelpunkt der Überlegungen, um gegen das Phänomen von Doping im Sport anzutreten. Diese strategischen Überlegungen sind bis heute oftmals geprägt von der zweifelhaften Grundannahme, dass ein beträchtlicher Teil aller SportlerInnen quer durch alle Sportarten gedopt sei und – so die These – nur intensiv genug kontrolliert werden müsste, um Doping zu verhindern oder zumindest einzudämmen. Flankiert wurde und wird diese Geisteshaltung von fragwürdigen Sprachfiguren: Doping wird als “Krankheit / Plage / Virus des Sports“ bezeichnet, es wird ein „Krieg / Kreuzzug / Kampf“ gegen Doping geführt, mit neuen „Waffen“ im „Wettrüsten“ zwischen „Dopingjägern“ und „Dopingsündern“.

Mag. Dr. David Müller

Mag. Dr. David Müller ist Leiter von Information und Prävention, Medizin und Qualitätsmanager, NADA Austria.

Sportlerinnen und Sportler im Mittelpunkt

Diese militärische, religiöse und pathologisierende Semantik verstellt den Blick auf die zentrale Aufgabe: Die Anti-Doping Arbeit dient dem Schutz der sauberen Sportlerinnen und Sportler. Erst wenn dieser Paradigmenwechsel vollständig vollzogen wird, wird sich auch die wichtigste Zielgruppe aktiv einbringen (können). Die Anti-Doping Arbeit kann nur dann nachhaltigen Erfolg haben, wenn die Sportlerinnen und Sportler davon überzeugt sind, dass diese Bemühungen nicht gegen, sondern für sie sind.

Moderne Anti-Doping Arbeit versteht sich daher als integrativen Ansatz, der vier Säulen vereint: Abschreckung, Kontrolle, Sanktion und Dopingprävention. Um nachhaltigen Erfolg zu gewährleisten, müssen alle vier Säulen sinnvoll ineinandergreifen. In Analogie zum Gesundheitswesen (Salutogenese) konzentriert sich die Anti-Doping Arbeit seit einigen Jahren nicht nur darauf, Doping zu verhindern, sondern verstärkt auf die Fragestellung, was einen sauberen und gesunden Sport ausmacht.

Anti-Doping Arbeit in Österreich

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen wurde die österreichische Anti-Doping Arbeit mit der Gründung der NADA Austria am 1. Juli 2008 neu ausgerichtet. Durch das österreichische Anti-Doping Bundesgesetz wurde die Unabhängigkeit der Dopingkontrollprogramme und Verfahren von den Sportverbänden festgelegt. Zudem wurden strafrechtliche Konsequenzen für Besitz (ausgewählter Substanzen über einer gewissen Grenzmenge), Handel und Weitergabe von Dopingmitteln (bis zu fünf Jahre Haft) beschlossen. Zudem wurde Doping explizit als Sportbetrug (mit bis zu zehn Jahren Haft) definiert, um den strafrechtlichen Ermittlungsbehörden im Falle eines Anfangsverdachtes entsprechende Untersuchungen zu ermöglichen. Das Anti-Doping Bundesgesetz regelt darüber hinaus eine sinnvolle und effiziente Kooperationsmöglichkeit zwischen Polizei, Zoll, Staatsanwaltschaft und NADA Austria.

Prävention als Schlüssel

Neben diesen Kontroll- und Repressionsmaßnahmen wurden in den letzten Jahren aber vor allem auch das Angebot und die Möglichkeiten der Dopingprävention stark ausgebaut. Die NADA Austria bietet zahlreiche Seminare, Schulungen und Workshops für alle Zielgruppen an. Eine österreichweite Info-Tour besucht Nachwuchswettkämpfe und Jugendevents und erreicht so neben den Jugendlichen auch deren TrainerInnen, BetreuerInnen und Eltern. Zudem führt die NADA Austria spezialisierte, österreichweit standardisierte Maßnahmen wie das Akademie- und Schulprogramm, das Trainerprogramm oder das Gütesiegelprogramm für Fitnesscenter, in deren Rahmen umfassende Schulungsmaßnahmen für die jeweiligen Zielgruppen durchgeführt werden. Zusätzlich werden seit einigen Jahren eLearning-Kurse angeboten und Social-Media-Kanäle genutzt, um noch mehr Personen zu erreichen.

Das Ziel sämtlicher Bemühungen der Anti-Doping Arbeit ist es, dass sich jede Sportlerin und jeder Sportler selbstbewusst und aus eigener Überzeugung für einen sauberen und gesunden Sport entscheidet.

Autor: Mag. Dr. David Müller
Bilder: Adobe Stock | ZVG

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