Strom aus einer erneuerbaren Energiequelle zu erzeugen, lässt sich mit Hilfe einer Photovoltaik-Anlage relativ leicht umsetzen. Doch der gewonnene Solarstrom wird oftmals erst dann benötigt, wenn die Sonne gar nicht mehr scheint. Hier kommen Stromspeicher ins Spiel. Auf was dabei zu achten ist, haben wir mit Frau DI Vera Immitzer vom Bundesverband Photovoltaic Austria besprochen.

Welche Probleme lösen PV-Komplettpakete (PV-Anlage + Stromspeicher)? Gibt es spezielle Vorteile im Gegensatz zu PV-Anlagen ohne Speicher?

Es gibt viele Gründe, die für eine PV-Anlage in Kombination mit einem Stromspeicher sprechen. So kann der Sonnenstrom, der untertags produziert aber nicht direkt verbraucht wird, gespeichert werden und dann genutzt werden, wenn abends keine Sonne mehr scheint. Die Nutzer sind unabhängig vom Stromversorger, profitieren von stabilen Energiekosten und sind bei entsprechender Notstromlösungen auch im Falle eines Blackouts mit Strom versorgt. Die Erweiterung einer bestehenden Photovoltaikanlage mit einem Stromspeicher ist jederzeit und unkompliziert möglich. Dabei ist auf die Wahl des passenden Stromspeichers zu achten.

ImmitzerPV-Austria

DI Vera Immitzer  Geschäftsführerin Photovoltaic Austria

Wann lohnt sich die Investition in einen Stromspeicher bzw. eine PV-Anlage? Gibt es bestimmte Voraussetzungen?

Eine PV-Anlage in einem Einfamilienhaus amortisiert sich heutzutage in weniger als 10 Jahren, wobei die Amortisation vor allem vom Anteil des Eigenverbrauchs abhängt – also je mehr Sonnenstrom selber verbraucht werden kann.
Nach der Amortisation produziert die Anlage weitere mind. 15 Jahre Strom. Dabei ist die Installation einer PV-Anlage auf beinahe allen Dächern bzw. Bauwerken möglich. Weiters gibt es mittlerweile auch tolle PV-Module die direkt in die Fassade integriert werden können, farblich gestaltbar sind und ein Teil der Gebäudehülle werden.

Stromspeicher lohnen sich vor allem, wenn der Eigenstromverbrauch zusätzlich gesteigert werden soll. Damit kann der Eigenverbrauch bei einem typischen Einfamilienhaus auf rund 70% gehoben werden (ohne Stromspeicher rund 35 %). Für die Errichtung der PV-Anlage sowie des Stromspeichers gibt es gewisse Vorgaben und Richtlinien die einzuhalten sind. Jedenfalls ist ein professioneller Anlagenerrichter zu beauftragen (siehe dazu auch www.pvaustria.at/pv-profi)

Gibt es rechtliche Rahmenbedingungen, die ich bei der Anschaffung beachten muss?

Bei der Errichtung von PV-Anlagen und Stromspeichern sind verschiedene rechtliche und technische Rahmenbedingungen einzuhalten wie die optimale Ausrichtung der PV-Module, Bauordnung, die richtige Montage der Module am Dach, Brand- und Blitzschutz oder Statikvorgaben. Bei diesen Vorgaben steht der Anlagenerrichter aber zur Seite.

Wo finde ich Informationen zu Förderungen? Wie hoch fallen diese aus?

Informationen zu Bundes- sowie Landesförderungen sind auf der Website des Bundesverbands Photovoltaic Austria übersichtlich zusammengefasst: www.pvaustria.at/forderungen

Es gibt im Wesentlichen zwei Arten von bundesweiten Förderung:

Investförderung als Zuschuss bei der Anschaffung einer PV-Anlage / eines Stromspeichers:

Photovoltaik-Förderung

  • Fördersatz für PV-Anlagen bis zu einer Größe von 100 kWp: 250 Euro pro kW
  • Fördersatz für PV-Anlagen ab 101 kWp bis 500 kWp: 200 Euro pro kWp
  • max. jeweils 30% der Investkosten

Stromspeicher-Förderung

  • Stromspeicher werden bis zu einer Größe von 50 Kilowattstunden mit 200 Euro pro Kilowattstunde bzw. max. 30% der Investkosten gefördert.

Förderung für eine Einspeisevergütung bei größeren Anlagen (ab 5 kWp bis max. 200 kWp) über das Ökostromgesetz:

  • Förderung für die PV-Anlage mit 250 Euro pro kWp (bzw. max. 30% der Errichtungskosten). Hinzu kommt ein geförderter Einspeisetarif für den in das Stromnetz eingespeisten Sonnenstrom von 7,67 Cent/kWh.

Wie lange kann ich meine PV-Anlage bzw. meinen Stromspeicher nutzen? Kommen Wartungen bzw. weitere Kosten auf mich zu?

Die Garantie der PV-Module für 80% der Leistung beträgt 20 bis 25 Jahre. Die Lebensdauer wird mit mindestens 30 Jahren angegeben. Außer den Kosten für Wartung bzw. Reinigung der PV-Anlage kommen durch den Betrieb der PV-Anlage keine weiteren Kosten hinzu. Diese Betriebskosten liegen zwischen 0,5 % und 2 % der Investitionskosten. Es wird empfohlen, die PV-Anlage einmal jährlich, zu Beginn der sonnigen Zeit im Frühling, von einem Fachmann überprüfen und gegebenenfalls reinigen zu lassen. Dadurch entstehen zwar Kosten, diese sind aber als Investition in die Verlängerung der Lebensdauer der Anlage zu sehen.

Was ist von Clouds und Flatrates zu halten?

Eine Stromcloud ist ein virtueller Speicher, in dem Stromüberschüsse „angespart“ und wenn der Strom wieder benötigt wird, abgerufen werden kann. Zwar erhält man in diesem Fall nicht den eigenen Strom wieder zurück, aber die gleiche Strommenge. Für die Dienstleistung des Zwischenspeicherns ist jedoch auch eine gewisse Gebühr zu zahlen weswegen hier jedenfalls genauer nachgerechnet werden sollte.

Angebote von Strom Flatrates gibt es aktuell noch sehr wenige und diese befinden sich noch in der Testphase. Bei diesen Modellen werben Energieversorger mit fixen monatlichen Beträgen und passenden Strom-Paketen für die unterschiedlichsten Bedürfnisse. Aber auch bei Strom-Flatrates sollte man genau hinsehen und im Zweifelsfall einen Stromvergleichsrechner zu Rate ziehen.

Autor: Bernhard Kröll | DI Vera Immitzer
Bilder: Adobe Stock | PV Austria

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