I n ganz Österreich werden Pflegefachkräfte gesucht, doch der Bedarf kann in keinem Bundesland gedeckt werden. Gleichzeitig gibt es auch neue Ausbildungsmöglichkeiten, die hohe Standards sicherstellen sollen. Wir sprachen daher mit DGKP Dipl.KH-Bw. Franz Mannsberger, MBA, Pflegedirektor der Tirol Klinken.

Welche Brisanz hat das Thema Pflegeausbildung in Österreich?

Die Brisanz liegt darin, für alle Krankenanstalten sowie nachgelagerten extramuralen Bereiche, nicht nur ausreichend Personal, sondern Personal mit der richtigen Qualifikation zu finden. Dies wird uns auch in den nächsten Jahren noch beschäftigen, um nicht in eine Abwärtsspirale zu gelangen, in der man aufgrund von Personalmangel gezwungen ist, nicht ausreichend qualifiziertes Personal einzusetzen. Das darf es in Österreich nicht geben!

Wie wird sich das Thema „medizinische Versorgung und Pflege“ in den nächsten Jahren entwickeln?

Für uns ist es enorm wichtig, Prognosen für die Zukunft zu erstellen und damit frühzeitig bspw. eine Pensionierungswelle vorauszusehen.

DGKP Dipl.KH-Bw. Franz Mannsberger

DGKP Dipl.KH-Bw. Franz Mannsberger, MBA, ist Pflegedirektor der Tirol Klinken

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Denn eine Ausbildung ist ja nicht von heute auf morgen abgeschlossen. Hier ist es zusätzlich sehr wichtig, dass Kliniken und Ausbildungszentren sehr eng miteinander arbeiten, um den Bedarf und auch Spezifikationen frühzeitig abzuklären. Durch die Novellierung des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes im Jahr 2016 wird die Pflege zunehmend akademisiert und dadurch spürt man auch eine erhöhte Zulaufrate zu diesen Berufen. Das ist natürlich wichtig für die kommenden Jahre.

Wie kann man die jüngere Generation für das Thema Pflege begeistern?

Wir gehen in Schulen, veranstalten Informationsabende und den Tag der offenen Tür um bereits früh auf SchülerInnen zuzugehen. Wir versuchen das breite Spektrum der Pflegeberufe aufzuzeigen und Personen damit frühzeitig auf diese tollen Berufe aufmerksam zu machen. Daneben organisieren auch die Ausbildungszentren tolle Events, um junge Menschen für Pflegeberufe zu begeistern

Welche Voraussetzungen sollte ein zukünftiger Pfleger mitbringen?

Das ist ganz unterschiedlich, da es ja verschiedene Berufssparten gibt. Allerdings ist für die meisten Berufe eine soziale Kompetenz essentiell. Egal ob im Krankenhaus oder in einer Pflegeanstalt, man arbeitet mit kranken oder gebrechlichen Menschen, dazu braucht man Einfühlungsvermögen. Daneben gibt es auch sehr technisierte Sparten im Gesundheitswesen, ich denke hier z.B. an einen Operationssaal, dazu braucht man auch Personal, das technisch interessiert und versiert ist.

Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es für Personen, die an einem Pflegeberuf interessiert sind?

Es gibt drei verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten: die Pflegeassistenz (einjährige Ausbildung), die Pflegefachassistenz (zweijährige Ausbildung) und das Bachelorstudium für Gesundheits- und Krankenberufe im gehobenen Dienst (dreijährige Ausbildung). Nach einer Grundausbildung gibt es auch die Möglichkeit sich anschließend zu spezialisieren. Man kann sich also z.B. entscheiden in die Geriatrie-Spezialisierung zu gehen oder in die Psychiatrie zu wechseln. Da gibt es zahlreiche Möglichkeiten im Pflegebereich.

Welche Rolle werden zukünftig akademisch ausgebildete Pflegepersonen im Gesundheitswesen spielen?

Wir haben in Tirol schon seit beinahe 10 Jahren Ausbildungsmöglichkeiten, bei denen mit einem Bachelortitel abgeschlossen wird. Diese Personen arbeiten heute bereits sehr erfolgreich in unterschiedlichsten Pflegeberufen. Hier hat sich nicht allzu viel geändert. Wer aber langfristig gesehen mit viel Erfahrung auch einmal eine Führungsposition anstreben will, für den ist ein weiterführendes Masterstudium sicherlich nicht falsch. Denn da geht es ja auch oft um wirtschaftliche Entscheidungen.

Welche Kenntnisse eignet man sich während einer Pflegeausbildung an?

Die grundlegenden Kenntnisse, die man sich während einem Studium aneignet, haben sich nicht groß verändert. Was hinzugekommen ist, ist das Arbeiten mit der Wissenschaft. Studierende müssen eine wissenschaftliche Arbeit lesen oder auch selbst verfassen können. Hier geht es darum, neue wissenschaftliche Erkenntnisse, z.B. aus der Forschung, nicht nur in die Praxis umsetzen zu können, sondern auch Kollegen Patienten erklären zu können.

Wie sehen mögliche Berufsfelder aus?

Nach der Ausbildung beginnen die meisten Pflegefachkräfte ihre Arbeit auf einer Bettenstation im Krankenhaus. Das ist ganz wichtig, denn dort kann man die notwendige Erfahrung sammeln. Je nach Ambition kann man sich in eine bestimmte Richtung, z.B. Ambulanz oder Intensivstation, spezialisieren. Oder nach einer gewissen Berufserfahrung ist auch eine Führungsposition, sprich die Leitung einer Pflegestation, möglich. Daneben gibt es auch die Möglichkeit in die Hauskrankenpflege zu wechseln. Die Pflegeberufe sind wirklich sehr unterschiedlich.

Wie gut sind die Ausbildungsstandards in Österreich?

Die Ausbildung in Österreich ist auf einem sehr hohen Niveau. Durch die Novellierung 2016 wurden auch die Kompetenzen der Berufsgruppen teilweise geändert. Durch Evaluierungen ist zu überlegen, wer kann welche Tätigkeiten aufgrund seiner Ausbildung übernehmen? Brauche ich z.B. für Servicetätigkeiten einen Pflegeberuf oder kann dies eine neue Berufsgruppe „Servicemitarbeiter“ übernehmen? Oder können z.B. Lagertätigkeiten oder Bestelltätigkeiten von einem Versorgungsassistenten übernommen werden? Es ist einfach wichtig das vorhandene Personal auf Basis ihrer Qualifikation einzusetzen. Und dafür sind die Standards in Österreich wirklich sehr gut.

Was würden Sie Personen, die sich für einen Pflegeberuf interessieren, für einen Rat mitgeben?

Ich würde ihnen raten, sich frühzeitig bei einem Ausbildungsinstitut zu informieren: welche Ausbildungen gibt es, welche Berufe kann ich damit ausüben und welche Karrieremöglichkeiten habe ich in den einzelnen Berufen? Bei einem Tag der offenen Tür kann man auch häufig mit Absolventen sprechen und sich zusätzlich Informationen von denen holen. Damit ist man gut für eine Ausbildung im Pflegebereich vorbereitet.

Autor: Lukas Winter
Bilder: Adobe Stock | ZVG

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